Des Schusters (Holz-)Leisten
„siping“ Winterreifen
Razor-Cut-Profil
gegossenes Profil

Wie der Bootsschuh zum Segelschuh wurde...

Damals, als noch Glamour herrschte auf den Weltmeeren und der elitäre Kreis der Segler noch auf seinen Yachten sommerte, trugen die Herren der High Society beim Landgang eine weiße Hose, ein weißes Hemd mit Krawatte, dunkelblauen Clubblazer und Kapitänsmütze. Vor allem aber liefen sie über Deck und Steg mit Schuhen, die man Bootsschuhe nannte.

Noch in den 30er Jahren bestand ihr Schuhwerk entweder aus Gummistiefeln oder aus Leinenschuhen mit einer dünnen Gummisohle meist aus heimischer Produktion, von Komfort noch keine Spur: Häufig hatte der Träger schnell nasskalte Füße und die Bewegungsfreiheit war durch mangelnde Griffigkeit an Deck sehr eingeschränkt. Aber schon sehr bald schufen findige Tüftler die Basis für eine rutschfeste Sohle.

So fand etwa um 1920 der Schlachtergeselle John Sipe in den USA heraus, dass er sich besser und sicherer auf dem feuchten, blutverschmiertem und rutschigen Boden der Schlachterei bewegen konnte, nachdem er mit einem Rasiermesser feine Schnitte in die Hacken seiner Schuhe geschnitten hatte. Flugs meldete er ein Patent für rutschfeste Reifen an. Das Verfahren wurde nach seinem Erfinder „siping“ genannt und ist auch heute noch in vielen Reifen – besonders in Winterreifen – zu sehen.

Eine Legende besagt außerdem, dass der amerikanische Segler Paul Sperry so um 1935 im Winter mit seinem Hund Prince unterwegs war und feststellte, dass Prince sich relativ sicher auf rutschigem Eis bewegte. Bei der Untersuchung des Pfotenabdrucks im Schnee stellte er ein feines Rillenprofil fest. Dieses, einem Fingerabdruck ähnelnde Profil übertrug er auf eine Gummisohle. Die mit einem Messer geschnittenen feinen Rillen erwiesen sich als rutschfestes Profil auf nassem Oberflächen.

Seitdem ist die sogenannte Razor-Cut-Sohle im Bootsschuhbereich nicht mehr wegzudenken. Sie ist in weiterentwickelter Form eine der rutschfestesten, und zur Freude der Eigner, eine der schonendsten Sohlen auf nassen Decksbelägen. Aber nicht alle Razor-Cut-Sohlen sind gleich gut. Nur die feinen, wirklich geschnittenen und nicht nur gegossenen Sohlen nehmen keinen Sand und keine Steine auf, die böse Riefen auf teurem Teakholz hinterlassen könnten. Und auch die Gummimischung muss stimmen.

Erst Anfang der 70 Jahre wurden dann zunehmend Bootsschuhe nach Mokassinmachart populär. Im Gegensatz zum herkömmlichen Schuh, bei dem das Leder an der Sohlenkannte endet, umschließt das Schuhleder beim Mokassin den gesamten Fuß von unten und oben. Dieser „Lederstrumpf“ wird dann mit einer Sohle vernäht. Bereits die  Indianer wussten diese Machart zu schätzen. Hochwertige Leder und traditionelle Handwerkskunst machten die Schuhe zu bequemen und robusten Begleitern.

In den 80 Jahren dann wurden die zeitlosen Bootschuhe zum Kultobjekt auf jedem Campus. Jeder Yuppi musste passend zu Jeans und Poloshirt Bootsschuhe tragen die von nun an Segelschuhe hießen und nicht mehr nur an Bord getragen wurden. Durch diese Modewelle kam eine Vielzahl von Herstellern mit Schuhen in allen Preislagen auf den Markt, die aber oft außer dem Look nichts mit Bootsschuhen / Segelschuhen gemein hatten – zu schlecht das Leder, zu einfach die Konstruktion und zu ungeeignet das Sohlenmaterial.

Durch die Entstehung von immer neuen Materialien und Hightech-Fasern kommen jedes Jahr eine Vielzahl von neuen, innovativen Modellen mit diversen Zusatzleistungen im spacigen Sportschuh-Design auf den Markt. Doch oft steht hier nur der modische Aspekt im Vordergrund. Echte Seebären würden einen wohl über Bord schupsen, wenn man mit Plastiknetz-Gummizug-Schlüpfrein-Slippern in orange oder perlmutt an Bord kommt. Aber wir Segler sind ja tolerant und Gott sei Dank, es gibt sie noch, die klassischen Bootsschuhe aus hochwertigem Leder, in Mokassinmachart und mit der bewährten Razor-Cut-Sohle. Unsere Lieblingsschuhe, die trotz allem ein Hauch von Freiheit in Verbindung mit Zuverlässigkeit und Tradition verkörpern und zu jedem Outfit passen.